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AWO-Kreiskonferenz fordert Rücknahme von Kürzungen im Jugend und
Sozialbereich
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„Unser
Land ist gekennzeichnet von einer großen sozialen Schieflage“, sagte
Norbert Wellmann (Foto links) bei der AWO-Kreiskonferenz in Südlengern. Mit
deutlichen Worten bemängelte der Kreisvorsitzende die Lebensbedingungen von
Millionen Menschen in Deutschland. „Die Kluft zwischen Arm und Reich wird
immer größer“, so Wellmann, der die Kinderarmut als „Skandal“ geißelte.
Seit 2000 hat die öffentliche
Hand die Etats im Jugend- und Sozialbereich immer wieder stark gekürzt. Vor
den Konsequenzen haben Fachleute die Politiker gewarnt. Jetzt ist
offensichtlich, dass die Kürzungen die Lebenssituation von Kinder,
Jugendlichen und Familien zusätzlich verschlechterten. Einstimmig
forderten die 77 Teilnehmer der Konferenz die Rücknahme der Kürzungen:
„Die Kommunen im Kreis Herford, der Kreis Herford und das Land NRW werden
aufgefordert, sämtliche seit dem Jahr 2000 erfolgten Kürzungen im Jugend- und
Sozialbereich zurückzunehmen und die Förderung entsprechend der
Kostensteigerungen anzupassen. Dieses gilt insbesondere für den Bereich der
Familienbildung, der Jugendförderung und der Beratungsstellen.“
Die AWO begründet ihren Antrag wie folgt: Massive Kürzungen im
genannten Zeitraum haben zu einer dramatischen Verschlechterung in
Bereichen der Erziehung, Jugendförderung und Beratung geführt. Die
Wohlfahrtsverbände haben immer wieder vor den Konsequenzen dieser Kürzungen
gewarnt und darauf hingewiesen, dass die Folgekosten aus den negativen
Konsequenzen um einiges höher sein werden, als die Einsparungen. Genau diese
Situation erleben wir in den zurückliegenden Jahren mit zunehmender Stärke.
Vernachlässigung von Kindern, auffallend viele Verhaltensauffälligkeit schon
bei Grundschülerinnen und Grundschülern, unkontrollierte Aggressionen und
Gewaltausbrüche bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind genau die
Konsequenzen vor denen gewarnt worden ist. Wenn an dieser Stelle nicht sofort
massiv mit pädagogisch und psychologisch qualifizierten Maßnahmen
gegengesteuert wird, werden wir möglicherweise in einigen Jahren eine
Situation haben, die nicht mehr kontrollierbar sein wird.
In einem zweiten Antrag empfahl die
AWO-Kreiskonferenz, die Erziehungskompetenz
der Eltern zu stärken. „Wir brauchen ein breites Spektrum an
Erziehungshilfen für Eltern“, betonte Geschäftsführer Günter Busse
(Foto links). Einstimmig verabschiedeten die Delegierten folgenden Antrag: „
Die Kreiskonferenz fordert die Kommunen des Kreises Herford und den Kreis
Herford auf, die Situation von Kindern, Müttern und Vätern zu stärken und präventiv
Maßnahmen zur Stärkung der Erziehungskompetenz zu fördern. Dazu sind
finanzielle Mittel bereitzustellen und kurzfristig konkrete Planungen
einzuleiten. Ein erster Schritt könnte beispielsweise die Ausgabe von
Gutscheinen für Erziehungskurse an die Eltern von Neugeborenen sein.“
In der Begründung heißt es: Traditionelle Formen des
Zusammenlebens lösen sich zunehmend auf. Unsere gesellschaftlichen Veränderungsprozesse
haben vielfältige Formen des Zusammenlebens von Eltern und Kindern zur Folge -
von den Alleinerziehenden bis zur Patchworkfamilie. Demografischer Wandel und
wachsende Mobilität unterstützen die Tendenz zur Auflösung der klassischen
Mehrgenerationenfamilie und gewachsener Nachbarschaften. Bei allen Veränderungen
erfüllt die Familie nach wie vor eine entscheidende soziale Funktion in der
Erziehung der Kinder und Jugendlichen. Gleichwohl wird Erfahrungswissen heute
nicht mehr selbstverständlich von Generation zu Generation oder im eigenen
Beziehungssystem weitergegeben - Erziehung wird vor dem Hintergrund zunehmend
pluraler Lebensformen nicht einfacher. Wir beobachten, dass Eltern verunsichert
sind. Im Sinne der Prävention sind flächendeckende frühe Unterstützungsmaßnahmen
wünschenswert, die allen Eltern eine Begleitung anbieten, weit bevor
Erziehungsprobleme oder Überforderungssituationen entstehen.
Erziehungskompetenz, Respekt und Achtsamkeit gegenüber den Bedürfnissen des
Kindes sind nicht angeboren, sie müssen vermittelt werden. Familienbildung und
Elternkompetenzkurse können hier eine wichtige Funktion übernehmen, um der
Verunsicherung von Eltern entgegen zu wirken, können Eltern stärken, Kinder fördern
und dazu beitragen, Familien zu vernetzen.
Ein
weiterer Schwerpunkt der Konferenz war ein Fachvortrag des
Bundestagsabgeordneten Wolfgang Spanier über die demografische Entwicklung im
Kreis Herford. Außerdem wählten turnusgemäß die Delegierten den
Kreisvorstand. Foto, erste Reihe von links: Günter Lange (stv. Vors.),
Roswitha Sokolowsky (stv. Vors.), Norbert
Wellmann (Vorsitzender). Zweite Reihe von links: Karl-Heinz Fistelmann
(Beisitzer), Günter Pieper (Beisitzer), Wolfgang Spanier (Beisitzer) und
Kreisgeschäftsführer Günter
Busse.
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