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AWO, Caritas, Diakonisches Werk und DPWV üben scharfe Kritik an den
Beschlüssen des Kreistages
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„Das menschliche Leid ist groß und die Folgekosten sind
unabsehbar.“ Das betonten Günter Busse, Brigitte Hebrock, Christian Lümkemann
und Lutz Middelberg. Die Herforder Geschäftsführer von vier Wohlfahrtsverbänden
reagierten in scharfer Form auf die Haushaltskürzungen des Kreises Herford im
sozialen Bereich.
Die Kürzungen treffen das Diakonische Werk „sehr
hart“, wie Geschäftsführer Christian Lümkemann mitteilte. Bestehende
Strukturen würden wegen relativ geringer Einsparungen zerschlagen. Deshalb
rechnen die vier Wohlfahrtsverbände mit einer Zunahme von Armut und
Folgeproblemen wie: Drogen- und Alkoholsucht, Gewalt, sexueller Missbrauch und
familiären Krisen. „Die Verelendung wird zunehmen“, befürchtet Lümkemann,
„die Probleme werden bald auf den Straßen zu sehen und spüren sein.“
Nach Auskunft von Günter Busse verfügt die
Arbeiterwohlfahrt (AWO) nur über sehr geringe Eigenmittel. Manche
AWO-Einrichtungen sind durch Kürzungen von über 20 Prozent der bisherigen
Zuschüsse betroffen. Vor allem die kreisweite Ehe- und Lebensberatungsstelle
baumle jetzt am „seidenen Faden“. Busse: „Die Finanzierung der
Beratungsstelle ist schon seit vielen Jahren ein großes Problem für uns. Nur
weil wir der Einrichtung eine hohe Bedeutung beimessen, und in 70 Prozent der Fälle
Kinder betroffen sind, haben wir in den letzten Jahren gekürzte Zuschüsse mit
finanziellen Eigenmitteln ausgeglichen.“ Doch die AWO könne diese Mittel
nicht weiter erhöhen.
Verärgert über die Kürzungen: "Soziale
Leistungen müssen verringert werden"
„Die geringeren Zuschüsse des Kreises und die bereits
angekündigten Landeskürzungen bedeuten, dass soziale Leistungen verringert
werden müssen“, sagte Lutz Middelberg vom Deutschen Paritätischen
Wohlfahrtsverband (DPWV). Verärgert sind die hier im Wittekindsland ansässigen
Organisationen über die sofortige Wirkung der Kreiskürzungen. Ein Viertel der
Jahresbudgets sei bereits jetzt im März verbraucht; außerdem haben die Verbände
die Kündigungsfristen in den Arbeitsverträgen ihrer Mitarbeiter
einzuhalten.
Auf alle Fälle führe diese Situation zum Verlust von
Arbeitsplätzen, kündigten die Geschäftsführer an. Zunächst erfolge eine
Einschränkung in den Bereichen Sucht- und Familienberatung. Die Angebote
stehen dann nur noch zeitlich reduziert oder gar nicht mehr zu Verfügung. Für
die verbleibenden Mitarbeiter würde der Arbeitsdruck immer größer. Denn im
Gegensatz zu den finanziellen Mitteln, nähmen seit Jahren die Fallzahlen der
Beratungsstellen stetig zu, so Brigitte Hebrock vom Caritasverband.
Wohlfahrtsverbände möchten Planungssicherheit
Nach Auskunft der vier Geschäftsführer, erfuhren die
Wohlfahrtsverbände zuerst aus der Presse von den inzwischen in Kraft gesetzten
Kürzungsplänen. Bei diesem heiklen Thema hätten sie sich eine vorherige
Abstimmung mit der Landrätin gewünscht; ein solches Gespräch habe sie ursprünglich
auch zugesagt, so die Geschäftsführer. Die Wohlfahrtsverbände möchten
Planungssicherheit. Deshalb bekundeten sie ihre grundsätzliche Bereitschaft über
das Thema „Finanzen“ zu verhandeln und eventuell mehrjährige
Leistungsverträge abzuschließen. „Dazu gibt es viele ähnliche Beispiele
aus Nachbarkommunen“, sagte Busse.
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