Kreis Herford, 17.03.2007

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AWO, Caritas, Diakonisches Werk und DPWV üben scharfe Kritik an den Beschlüssen des Kreistages

 

„Das menschliche Leid ist groß und die Folgekosten sind unabsehbar.“ Das betonten Günter Busse, Brigitte Hebrock, Christian Lümkemann und Lutz Middelberg. Die Herforder Geschäftsführer von vier Wohlfahrtsverbänden reagierten in scharfer Form auf die Haushaltskürzungen des Kreises Herford im sozialen Bereich.

Die Kürzungen treffen das Diakonische Werk „sehr hart“, wie Geschäftsführer Christian Lümkemann mitteilte. Bestehende Strukturen würden wegen relativ geringer Einsparungen zerschlagen. Deshalb rechnen die vier Wohlfahrtsverbände mit einer Zunahme von Armut und Folgeproblemen wie: Drogen- und Alkoholsucht, Gewalt, sexueller Missbrauch und familiären Krisen. „Die Verelendung wird zunehmen“, befürchtet Lümkemann, „die Probleme werden bald auf den Straßen zu sehen und spüren sein.“

Nach Auskunft von Günter Busse verfügt die Arbeiterwohlfahrt (AWO) nur über sehr geringe Eigenmittel. Manche AWO-Einrichtungen sind durch Kürzungen von über 20 Prozent der bisherigen Zuschüsse betroffen. Vor allem die kreisweite Ehe- und Lebensberatungsstelle baumle jetzt am „seidenen Faden“. Busse: „Die Finanzierung der Beratungsstelle ist schon seit vielen Jahren ein großes Problem für uns. Nur weil wir der Einrichtung eine hohe Bedeutung beimessen, und in 70 Prozent der Fälle Kinder betroffen sind, haben wir in den letzten Jahren gekürzte Zuschüsse mit finanziellen Eigenmitteln ausgeglichen.“ Doch die AWO könne diese Mittel nicht weiter erhöhen.

Verärgert über die Kürzungen: "Soziale Leistungen müssen verringert werden"

„Die geringeren Zuschüsse des Kreises und die bereits angekündigten Landeskürzungen bedeuten, dass soziale Leistungen verringert werden müssen“, sagte Lutz Middelberg vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband (DPWV). Verärgert sind die hier im Wittekindsland ansässigen Organisationen über die sofortige Wirkung der Kreiskürzungen. Ein Viertel der Jahresbudgets sei bereits jetzt im März verbraucht; außerdem haben die Verbände die Kündigungsfristen in den Arbeitsverträgen ihrer Mitarbeiter einzuhalten. 

Auf alle Fälle führe diese Situation zum Verlust von Arbeitsplätzen, kündigten die Geschäftsführer an. Zunächst erfolge eine Einschränkung in den Bereichen Sucht- und Familienberatung. Die Angebote stehen dann nur noch zeitlich reduziert oder gar nicht mehr zu Verfügung. Für die verbleibenden Mitarbeiter würde der Arbeitsdruck immer größer. Denn im Gegensatz zu den finanziellen Mitteln, nähmen seit Jahren die Fallzahlen der Beratungsstellen stetig zu, so Brigitte Hebrock vom Caritasverband.

Wohlfahrtsverbände möchten Planungssicherheit

Nach Auskunft der vier Geschäftsführer, erfuhren die Wohlfahrtsverbände zuerst aus der Presse von den inzwischen in Kraft gesetzten Kürzungsplänen. Bei diesem heiklen Thema hätten sie sich eine vorherige Abstimmung mit der Landrätin gewünscht; ein solches Gespräch habe sie ursprünglich auch zugesagt, so die Geschäftsführer. Die Wohlfahrtsverbände möchten Planungssicherheit. Deshalb bekundeten sie ihre grundsätzliche Bereitschaft über das Thema „Finanzen“ zu verhandeln und eventuell mehrjährige Leistungsverträge abzuschließen. „Dazu gibt es viele ähnliche Beispiele aus Nachbarkommunen“, sagte Busse.

 

 

 

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